Wichtige Schemata: cABCDE, SAMPLER usw.

Am gestrigen Mittwoch fand unser wöchentlicher Dienstabend statt.

Diese Zeit nutzten wir zur Wiederholung verschiedener Schemata aus der Notfallmedizin.

Diese sind sehr wichtig für ein strukturiertes Vorgehen im Notfallgeschehen, sodass nichts vergessen oder übersehen wird.

Deswegen wiederholen wir die Anwendung und die Theorie dieser Schemata regelmäßig.

Wichtige Schemata

4S-Schema

Das 4S-Schema wird direkt beim Eintreffen an der Einsatzstelle angewandt und dient zur Beurteilung der allgemeinen Lage.

SceneWeitere Beurteilung der Einsatzstelle
Feststellung der Patientenanzahl
SafetyEigengefährdung und Fremdgefährdung abschätzen:
5A-1B-1C-5E-Schema
SituationWelcher Verletzungsmechanismus oder welche bestimmte Erkrankung liegt vor?
SupportSind weitere (spezielle) Einsatzkräfte nötig?
Polizei, Feuerwehr, etc.

5A-1B-1C-5E-Schema

Dieses Schema dient der Beurteilung der Einsatzstelle bezüglich der Sicherheit.

5A1B1C5E
AtemgifteBiologische GefahrenChemische
Gefahren
Explosion
AusbreitungErkrankung
AngstreaktionElektrizität
Atomare GefahrenEinsturz
AbsturzErtrinken

Als nächstes gilt es sich eine schnelle Ersteinschätzung beim Patienten bzw. der Patienten durchzuführen. Dabei sind sich folgende Fragen zu stellen:

⦁ Ist der Patient ansprechbar?
⦁ Reagiert der Patient auf mich?
⦁ Spricht er/ sie mit mir?
⦁ Ist er/ sie teilnahmslos?
⦁ Ist er/ sie bedingt ansprechbar?

Der Bewusstseinszustand kann auch nach dem WASB-Schema eingeschätzt werden.

Taschenkarten: Schemata
Wach15 Punkte
Ansprechbar12 Punkte
Schmerzreiz8 Punkte
Bewusstlos3 Punkte

cABCDE-Schema

Das cABCDE-Schema ist die zentrale Vorgehensweise zur strukturierten Untersuchung und Versorgung von Patienten.
Die einzelnen Aspekte sind nacheinander abzuarbeiten.

critical Bleeding / kritische Blutung

Hier schauen die Einsatzkräfte, ob kritische Blutungen vorliegen. Wenn ja, dann erfolgt eine Soforttherapie mittels manueller Kompression, einem Druckverband oder eines Tourniquets, damit der akute, äußerliche Blutverlust gestoppt wird.

Airway / Atemwege

Es folgt die Untersuchung der Atemwege, um festzustellen, ob diese frei sind oder nicht. Je nach Bedarf wird eine Soforttherapie durch das Freimachen und dem situationsbedingten Freihalten der Atemwege durchgeführt.
Zusätzlich inspizieren die Einsatzkräfte die Halswirbelsäure (HWS) auf Verletzungen. Wenn eine Indikation und keine Kontraindikation vorliegen, wird die HWS immobilisiert.

Breathing / Belüftung

Hier wird überprüft, ob die Atmung des Patienten ausreichend ist oder nicht.
Diese Beurteilung erfolgt aufgrund verschiedener Parameter wie der Sauerstoffsättigung und der Atemfrequenz, aber auch durch die Atemtiefe, Atemgeräusche und eine mögliche Blaufärbung der Lippen oder der Zunge (Zyanose).
Je nach Krankheitsbild können folgende Maßnahmen durch unsere Einsatzkräfte getroffen werden: Sauerstoffgabe, assistierte Beatmung, Thoraxentlastungspunktion beim Pneumothorax, usw.

Online-Dienstabend
Online-Dienstabend

Circulation / Kreislauf

Die Einsatzkräfte untersuchen nun den Kreislauf durch Erhebung einiger Vitalparameter. Dazu zählen der Blutdruck, der Puls und die Rekapilierungszeit, aber auch die Ableitung eines EKGs. Zudem wird bei Bedarf eine schnelle Traumauntersuchung durchgeführt, um „versteckte“ Verletzungen zu erkennen.
Des Weiteren erfolgt die weitere Versorgung von Verletzungen oder des Krankheitsbildes. Beispielsweise durch Volumengabe bei zu niedrigem Blutdruck.

Disability / neurologische Defizite

Hier wird der Bewusstseinszustand des Patienten erweitert untersucht. Dies erfolgt beispielsweise durch eine Einschätzung mittels Glasgow-Coma-Scale und Überprüfung des Pupillenstatus. Bei Verdacht auf Schlaganfall wird das G-FAST-Schema durchgegangen. Des Weiteren wird der Blutzucker gemessen, da dieser bei Abweichung vom Normwert zu Bewusstseinsstörungen führen kann.

Exposure / erweiterte Untersuchung

Die Einsatzkräfte führen an dieser Stelle die Anamnese mittels SAMPLERS- oder OPQRST-Schema durch. Des Weiteren erfolgen ein Wärmeerhalt und weitere gezieltere Untersuchungen.

SAMPLERS

Das SAMPLERS-Schema dient der umfangreichen Anamnese des Patienten.

SymptomeWelche Symptome liegen vor?
AllergienSind Allergien bekannt?
MedikamenteWelche Medikamente werden eingenommen? Wurden die Medikamente in der richtigen Dosis und regelmäßig genommen?
PatientenvorgeschichteBestehen Vorerkrankungen? Haben Operationen stattgefunden?
Letzte …Letzte Mahlzeit? Letzter Stuhlgang?
EreignisWas ist genau vorgefallen und wie ist es dazu gekommen?
RisikofaktorenWerden Rauschmittel konsumiert? Ist der Patient übergewichtig?
SchwangerschaftBesteht die Möglichkeit einer Schwangerschaft?

G-FAST

Der G-Fast-Test wird bei Verdacht auf Schlaganfall oder neurologischen Defizit durchgeführt.

GazeHier wird der Pupillenstatus untersucht.
Größe, Lichtreaktion, Rund
FaceDer Patient wird aufgefordert zu lächeln.
Bewegen sich beide Mundwinkel?
ArmsHier muss der Patient versuchen bei geschlossenen Augen beide Arme für mindestens zehn Sekunden in der Luft zu halten.
SpeechKann der Patient sich klar und deutlich verständigen?
TimeSeit wann liegen die Auffälligkeiten vor? (Lysezeitfenster!)

Glasgow-Coma-Scale

Die GCS besteht aus drei verschiedenen Kategorien in welchen jeweils Punktzahlen nach dem Patientenzustand vergeben werden. Die Punktzahl reicht von 3 bis 15.
Je höher desto besser ist der Bewusstseinszustand des Patienten.

Augen öffnen Beste verbale Antwort Beste motorische Antwort
spontan4orientiert5auf Aufforderung6
bei Ansprache3desorientiert4gezielt bei Schmerzreiz5
bei Schmerzreiz2einzelne Worte3ungezielt bei Schmerzreiz4
kein Augenöffnen1sinnlose Laute2Beugesynergismen3
keine Antwort1Strecksynergismen2
keine Reaktion1

OPQRST

Dieses Schema wird bei der Beurteilung und Diagnostik von Schmerzen verwendet.

OnsetSeit wann bestehen die Schmerzen?
ProvocationLässt sich der Schmerz durch Drücken oder bestimmte Bewegungen auslösen oder verstärken?
QualityWas für einen Charakter hat der Schmerz? Ist er ziehend, stechend, etc.?
RadiationStrahlen die Schmerzen irgendwohin aus?
StrengthWie stark sind die Schmerzen von einer Skala von 0 (kein Schmerz) bis 10 (stärkste Schmerzen)?
TimeZeitlicher Verlauf der Schmerzen:
Wird der Schmerz immer stärker?

SBAR

Um eine ausführliche und lückenlose Patientenübergabe zu gewährleisten, bietet sich das SBAR-Schema an.

SituationName, Geschlecht, Alter, aktuelles Problem, (Verdachts-) Diagnose
BackgroundUnfallmechanismus/Notfallgeschehen, Beschwerdebeginn
AssessmentcABCDE, SAMPLER, etc.
RückfragenErreichbarkeit von Angehörigen, etc.

Zum Schluss galt es noch das erlernte Wissen in einem Quiz unter Beweis zu stellen.

Dabei wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in zwei Teams aufgeteilt und mussten verschiedene Fragestellungen beantworten.
Je nach Schwierigkeit der Frage gab es entweder 20, 50, 70 oder 100 Punkte.
Welches Team nach insgesamt 16 Fragen die höchste Punktzahl erreicht, hat gewonnen.
Nach Beantwortung aller Fragen sammelten beide Teams die gleiche Anzahl an Punkten, weswegen es zu einem Unentschieden kam.

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