Sprechfunkausbildung (Digitalfunk) 2022

In den letzten zwei Wochen haben acht unserer Einsatzkräfte an der Sprechfunkausbildung, durchgeführt von Ausbildern des DRK-Landesverband Niedersachsen e. V., erfolgreich teilgenommen.

Der Lehrgang umfasste die wichtigsten Themen rund um den Sprechfunkverkehr innerhalb von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS).

BOS-Sprechfunker: Erfolgreiche Ausbildung neuer Sprechfunker im DRK-KV Stade

Was bedeutet „BOS“?

BOS steht für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben.
Wir als Deutsches Rotes Kreuz gehören im Rahmen des Katastrophenschutzes und des erweiterten Rettungsdienstes, zum Erfüllen von eben solchen Sicherheitsaufgaben, zu den BOS.
Dies berechtigt uns auch am BOS-Sprechfunk teilzunehmen.

Da es seit langer Zeit der erste Lehrgang dieser Art für uns ist, möchten wir gerne ausführlicher darüber berichten.

Erstes Wochenende vom 23.07. bis 24.07.2022

Am Anfang wurden die Grundlagen der Funkkommunikation besprochen.

Wie breiten sich Funkwellen aus? Warum stören Berge und Gebäude die Funkkommunikation? Worauf ist im Allgemeinen zu achten, damit das Gesprochene auch wirklich an der Gegenstelle ankommt?

All diese Fragen müssen beantwortet und besprochen werden, um zu verstehen, wie der Sprechfunkverkehr funktioniert.
Die gestörte Wellenausbreitung ist nicht das Einzige, was im Sprechfunkbetrieb zu Problemen führen kann.


Üben mit praktischem Anteil

Deshalb ist die richtige Bedienung des Gerätes und die entsprechende Sachkunde für jeden Sprechfunker unerlässlich.

Dazu gehört das Wechseln der Rufgruppen oder des Übertragungsmodus (DMO / TMO), das Absetzen und die Funktion eines Notrufes oder wie mithilfe der Geräuschunterdrückung möglichst verständlich gefunkt werden kann.

Wie genau funktioniert der Digitalfunk aus technischer Sicht?

Jeder BOS-Sprechfunker benötigt ein Grundwissen über die technischen Grundlagen zum Betrieb des Sprechfunkverkehrs.
Damit können Einschränkungen und Leistungseinbußen oder gar Ausfälle im Digitalfunksystem vermieden werden.

Jedes BOS-Funkgerät hat eine eindeutige Geräteidentifikationsnummer, die TEI (TETRA oder Terminal Equipment Identity).
Diese ist ab der Produktion fest und dauerhaft in das Funkgerät einprogrammiert und kann nicht verändert werden.
Hierüber kann das Funkgerät im Funknetz auch gesperrt werden. Dies macht eine weitere Nutzung unmöglich.

Zusätzlich befindet sich in jedem Funkgerät eine SIM-Karte.
Eine Nutzung des Funkgerätes ohne diese Karte ist im BOS-Funknetz nicht möglich. Auf dieser Karte befinden sich unter anderem die Zugangsdaten für das BOS-Funknetz, das Zertifikat für die Verschlüsselung sowie die ISSI und die OPTA.

Die ISSI (Individual Short Subscriber Identity) ist die maximal 8-stellige Teilnehmerkennung der SIM-Karte. Diese ist vergleichbar mit der Handynummer in einem Smartphone. Eine Einbuchung in das Funknetz ist nur mit dieser ISSI möglich. Außerdem kann man mit ihr bestimmte Gegenstellen direkt ansprechen oder Kurzmitteilungen an bestimmte Geräte versenden.

Auf der SIM-Karte befindet sich wie oben erwähnt auch die OPTA (operativ-taktische Adresse).
Die 24-stellige OPTA wird bei jedem Drücken der Sprechtaste an alle empfangenden Funkgeräte in der Rufgruppe gesendet.
Aus der OPTA lässt sich die Herkunft des Funkgerätes (Bund / Land), die BOS, die Region und der Rufname ableiten.

Es muss sichergestellt werden, dass sich die Einsatzkräfte den rechtlichen Grundlagen des Sprechfunkverkehrs bewusst sind. Jede Einsatzkraft hat sich deshalb an die Gesetze zum Sprechfunkverkehr zu halten, die neben der Geheimhaltungspflicht und dem Abhörverbot noch einige weitere wichtige Verpflichtungen für Einsatzkräfte bedeuten.

Zum Schluss des Wochenendes wurde der Fokus auf die korrekte Funkdisziplin gelegt.
Dabei wurde besprochen, wie genau zu funken ist, damit die Gegenstelle das Gesprochene gut versteht und der Funkverkehr nicht länger als nötig blockiert wird.

Deshalb gibt es bestimmte, zu verwendende Betriebsworte, zu unterlassende Redewendungen (z. B. kein „Bitte“ oder „Danke“) und mittels Buchstabieralphabet zu buchstabierende Namen.

Zur Kontrolle des erlernten Wissens wurde das erste Wochenende mit einer ersten praktischen Übung beendet, bei der jede Einsatzkraft vordefinierte Funksprüche korrekt und zum richtigen Zeitpunkt absetzen musste.

Zweites Wochenende 30.07. bis 31.07.

Am zweiten und letzten Wochenende ging es hauptsächlich um das Festigen des gelernten Wissens vom ersten Wochenende durch verschiedene praktische Übungen.
So wurde zu Beginn die Bestimmung von UTM-Koordinaten mithilfe einer UTM-Karte geübt.
Die Kartenkunde ist eine wichtige Fertigkeit, die jede Einsatzkraft im Katastrophenschutz im Rahmen ihrer Ausbildung lernt, denn unter Umständen funktionieren mobile Endgeräte im Einsatzfall nicht mehr und dann man muss auf analoge Möglichkeiten der Standortbestimmung zurückgreifen können.

Nach der Unterrichtseinheit „Kartenkunde“ ging es für die Einsatzkräfte an die schriftliche Prüfung.
Hier galt es, das theoretische Wissen vom ersten Wochenende wiederzugeben.

Darauf folgte eine weitere Funkübung, welche den ersten Teil der praktischen Prüfung darstellte.
Dort mussten die Einsatzkräfte Nachrichten zu bestimmten Uhrzeiten an die Leitstelle übermitteln.

Am letzten Tag der Ausbildung stand die letzte und größte Funkübung des Lehrgangs an.
Diese war zudem der letzte Teil der praktischen Prüfung. Hier galt es in Zweierteams verschiedene Nachrichten über Funk an andere Gegenstellen zu übermitteln und Nachrichten entgegenzunehmen.

Zudem mussten vorgegebene Koordinaten und Orte auf einer UTM-Karte lokalisiert und übermittelt werden.
Nach Abschluss dieser letzten Übung war es dann geschafft: Die Lehrgangsdozenten konnten allen Einsatzkräften zu ihrem Bestehen gratulieren.

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