Simulationstraining für MANV-Sichtung nach PRIOR

Simulationstraining

Der Dienstabend am 1.12.2021 hatte ein ganz besonderes Thema. Zu Gast war Herr Eike Zyber von der Feuerwehr- und Rettungsdienstleitstelle (FRL) Stade, der uns mit Hilfe des SimCodeP Simulationstrainings die Vorsichtung und Triage beim Massenanfall Verletzter (ManV) üben ließ.

Was ist das Simulationstraining SimCode P?

SimCode P ist ein interaktives Ausbildungswerkzeug und Simulationstraining für Einsatzkräfte. Eigentlich bietet es mit Hilfe von Patientenmagnettafeln die Möglichkeit, eine standardisierte Zusammenarbeit aller Einsatzkräfte an der Einsatzstelle zu simulieren. Wir beschränkten uns jedoch nur auf die Darstellerkarten. Aufgrund der verschiedenen Verletzungsmuster galt es, die Patienten einzuschätzen und in die entsprechenden Sichtungskategorien einzuordnen.

SimCode P

Triage nach PRIOR® in verschiedene Sichtungskategorien

Bei der Sichtung einer größeren Anzahl verletzter oder betroffener Personen wird eine sogenannte Triage angewandt. Dabei handelt es sich um die Einteilung der Patienten bei einer Großschadenslage. Ist die Zahl der betroffenen Personen unerwartet hoch, können sie nach Priorität medizinisch versorgt werden. Dies ist erforderlich, weil beim Massenanfall Verletzter oder Erkrankter die zur Versorgung stehenden Ressourcen gezielt dort eingesetzt werden müssen, wo sie am meisten benötigt werden.

Welche Sichtungskategorien gibt es?

Die folgenden Sichtungskategorien sind nahezu weltweit einheitlich und beinhalten auch die wesentlichen militärischen Standards der NATO. Die Einteilung erfolgt immer unter Berücksichtigung  der Anzahl der Personen, der Schwere der Verletzung bzw. Erkrankung und der zur Verfügung stehenden Mittel zur Versorgung.

Sichtungskategorie T1 / SK I / I (rot)

Die Person hat eine akute, vitale Bedrohung und bedarf einer Sofortbehandlung

Sichtungskategorie T2 / SK II / II (gelb)

Die Person ist schwer verletzt/erkrankt. Es gilt eine aufgeschobene Behandlungsdringlichkeit mit Überwachung

Sichtungskategorie T3 / SK III / III (grün)

Die Person ist leicht verletzt oder erkrankt. Eine spätere (ggf. ambulante) Behandlung ist möglich.

Sichtungskategorie T4 / SK IV / IV (blau)

Die Person hat keine Überlebenschance bzw. befindet sich im Sterben. Es erfolgt eine betreuende (abwartende) Behandlung oder Sterbebegleitung

Simulationstraing
Simulationstraining mit Patientenkarten

Tote werden von diesem System primär nicht erfasst. Gebräuchlich ist jedoch die Kennzeichnung und Registrierung mit schwarzer Farbe.

Unverletzte werden ebenfalls nicht von diesem System erfasst, sie werden vom Betreuungsdienst namentlich registriert.

Wie wird die Triage durchgeführt?

Bei PRIOR® (Primäres Ranking zur initialen Orientierung im Rettungsdienst) handelt es sich um einen alltäglich anwendbaren, standardisierten Vorsichtungs-Algorithmus, der maßgeblich von Rettungsfachpersonal angewendet werden soll. Eine an-schließende ärztliche Sichtung muss der Vorsichtung zwingend folgen.

Der Algorithmus bzw. Ablauf lehnt sich an das bekannte und anerkannte ABCDE-Schema und damit an die tägliche Routine im Rettungsdienst, was es leichter zu erlernen und sicherer in der Anwendung macht als andere Algorithmen.

Das Ziel ist die Erst-Priorisierung schwerstverletzter und erkrankter Betroffener bei Großschadensereignissen, um die Überlebenschance dieser Patienten zu erhöhen und frühestmöglich ein medizinisches Lagebild zu erzeugen.

Dabei wurde das System nicht nur für die Identifizierung von schwer verletzten Patienten der Sichtungskategorie I (SK I) entwickelt, sondern auch zur sicheren Identifizierung von vital bedrohten oder erkrankten Betroffenen, die der SK I zugeordnet werden können.

Sichtung mit PRIOR

Wozu benötigt man eine Patientenablage

Patientenablagen haben die Aufgabe Verletzte und Erkrankte aufzunehmen und zu sammeln. Es erfolgt immer eine Registrierung und (Vor-)Sichtung entsprechend der Sichtungskategorien. Ziel ist die Herstellung der Transportfähigkeit in die nächste Versorgungseinrichtung (Behandlungsplatz oder Krankenhaus). In der Patientenablage selbst erfolgen keine umfangreichen, medizinischen Versorgungen. Lediglich die Erstversorgung Verletzter oder Erkrankter erfolgt in Form von lebensrettende Sofortmaßnahmen.

Übung zum Aufbau einer Patientenablage

Der strukturierte Ablauf und zügige Aufbau der Patientenablage muss immer wieder von unseren Einsatzkräften geübt werden. Daher war es klar, dass nach der kurzen, theoretischen Wiederholung der Aufbau in der Fahrzeughalle erfolgte, um das Material vor Witterungseinflüssen zu schützen.

Aufbau der Patientenablage

Für den Aufbau übernahm Thilo, seit letztem Wochenende ausgebildeter Gruppenführer, die Rolle des für den Aufbau verantwortlichen Gruppenführers. Nach Einteilung der Einsatzkräfte unserer Sanitätsgruppe erfolgte die Bereitstellung des Materials in einer Materialachse, sortiert nach dem ABCDE-Schema. Die Liegeplätze für Verletzte wurden mit Krankentragen dargestellt und in die Bereiche SK I (rot) und SK II (gelb) aufgeteilt. Mit einem geübten Team dauert ein solcher Aufbau im besten Fall keine zehn Minuten.

Abschließend wurde das Ergebnis mit Herrn Zyber noch weiter besprochen und bewertet. Verschiedene Übungskünstlichkeiten wie Dunkelheit, Kälte, schlechtes Wetter aber auch der Durchlauf der Patienten können oft nur schwer geübt werden und werden daher theoretisch in einem Nachgespräch behandelt.

Herr Zyber zeigte sich sehr zufrieden mit unserer Lösung und unserem Aufbau. Er bescheinigte uns, dass dies die Form einer Verletztenablage sei, die im Notfall benötigt und angefordert würde. Wir bedanken uns bei Herrn Zyber für seinen Besuch und den lehrreichen Austausch zwischen dem Team der Organisatorischen Leiter Rettungsdienst (OrgL) und unserer Sanitätsgruppe.

Quellen:
Triage / PRIOR: BBK https://www.bbk.bund.de/DE/Themen/Gesundheitlicher-Bevoelkerungsschutz/Triage-Sichtung/Vorsichtungsalgorithmus-PRIOR/vorsichtungsalgorithmus-prior_node.html

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