Respiratorische Kindernotfälle – Wenn plötzlich die Luft knapp wird!

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Für unseren zweiten Dienstabend im Juni haben wir zum Thema „respiratorische Kindernotfälle“ Dr. med. Timo Grüter, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin mit den Schwerpunkten Neonatologie, Intensivmedizin und Notfallmedizin eingeladen. Wir haben uns sehr über seine Zusage sowie den interessanten und lehrreichen Dienstabend gefreut.

Die Atmung und damit die Sauerstoffversorgung sind unsere wichtigsten Kriterien bei der Versorgung von respiratorischen Kindernotfällen. So schauen wir immer nach dem cABCDE-Schema, direkt, nachdem wir sichergestellt haben, dass keine lebensbedrohlichen Blutungen vorhanden sind, nach A, wie Airway, den Atemwegen. Sind sie frei und sicher offen? Sind sie gefährdet, zum Beispiel durch schlechte Reflexe bei Krankheit oder Bewusstlosigkeit? Oder sind sie durch einen Gegenstand oder eine Schwellung verlegt?

Erste Hilfe bei Atemnot

Wo bei bewusstlosen Erwachsenen und großen Kindern der Kopf leicht überstreckt wird, um die Atmung zu kontrollieren und die Atemwege zu sichern, wird der Kopf von Babys und Kleinkindern in die Neutral- oder Schnüffelposition gebracht. Dabei liegt das Gesicht parallel zum Boden und der Hals wird nicht überstreckt. Zusätzlich heben wir, auch bei Säuglingen, von außen die Zunge durch den Esmarch-Handgriff an.

Atemnot bei Säuglingen und Kleinkindern erkennen

Da bei Babys die Knochen noch sehr weich sind und die Rippen anders positioniert sind als bei Erwachsenen, sieht Atemnot auch anders aus. Während ein Erwachsener versucht, das Volumen seines Brustkorbes zu vergrößern, indem er sich zum Beispiel aufrichtet, haben Kinder durch ihre Anatomie bereits das volle Volumen zur Verfügung und atmen zusätzlich tief in den Bauch. Neugeborene und Babys können außerdem ihre Nasenlöcher weiten oder wir erkennen durch den weichen Körper, Einziehungen in der Nähe der Schlüsselbeine, des Brustbeins oder zwischen den Rippen, wenn gegen einen Widerstand eingeatmet wird.

Ebenso sind veränderte Atemfrequenz, Atem- oder Lungengeräusche sowie eine schlechte Sauerstoffversorgung ein Hinweis auf Atemnot. Bereits nach etwa 7–10 Sekunden ohne Sauerstoffversorgung fängt bei Babys auch die Blaufärbung der Haut, die Zyanose, an.

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Respiratorische Kindernotfälle – Atemwegsnotfälle

Respiratorische Kindernotfälle gehören neben Krampfanfällen und Unfällen zu den häufigsten Kindernotfällen.

Pseudokrupp – einer der bekanntesten respiratorischen Kindernotfälle

Der Pseudokrupp ist eine durch Viren verursachte Schleimhautschwellung, durch die beim Einatmen laute Geräusche entstehen, die meist harmlos sind. Das Kind ist oft wohlauf und hat eine gute Sauerstoffsättigung. Als erste Maßnahme ist hier frische, kalte Luft angebracht, um das Atmen zu erleichtern und eine Abschwellung zu begünstigen. Das können die Eltern oder Betreuer größtenteils schon selbst machen, indem sie das Kind im Winter ans offene Fenster und im Sommer vor den offenen Gefrierschrank bringen. Wenn alle Ruhe bewahren und das Kind sich nicht aufregt, reicht diese Behandlung oft schon aus. Wird der Rettungsdienst gerufen, erfolgt wahrscheinlich eine Behandlung mit Cortisonzäpfchen und ein Transport ins Krankenhaus zur Vorstellung beim Kinderarzt.

Achtung! Sind sowohl beim Ein- als auch beim Ausatmen Geräusche zu hören, sind die Atemwege wahrscheinlich stark zugeschwollen und es sollte immer eine sofortige Vorstellung beim Arzt erfolgen. Der gerufene Rettungsdienst wird das Kind mit Cortisonzäpfchen, Adrenalininhalation sowie Sauerstoff versorgen und ins Krankenhaus bringen.

Asthma und Bronchitis

Asthmaanfall oder obstruktive Bronchitis sind zwei ähnliche Erkrankungen mit unterschiedlicher Ursache und gehören ebenfalls zu den respiratorischen Kindernotfällen. Während Asthma durch einen externen Auslöser, wie zum Beispiel Kontakt zu einem Allergen, Zigarettenrauch oder Staub ausgelöst wird, entsteht obstruktive Bronchitis meist durch eine Virusinfektion, die zu einer Entzündung der Bronchien führt. Zum Beispiel durch den für Kinder gefährlichen RS-Virus. Symptomatisch für diese Notfälle sind eine schnelle Atmung, Atemgeräusche, Einziehungen und eine schlechte Sauerstoffsättigung. Auch hier wird ein hinzugerufener Rettungsdienst mit Medikamenten eine Abschwellung der Bronchien und eine Verbesserung der Sauerstoffversorgung herbeiführen.

Anaphylaxie – Die schwerste Form der allergischen Reaktion

Als besonders schwerer Notfall gilt die Anaphylaxie, durch eine Überempfindlichkeit oder Allergie ausgelöste, potenziell lebensbedrohliche Zuschwellung der Atemwege. Im besten Fall ist eine Allergie bekannt und es gibt für die Ersthelfenden einen sogenannten EpiPen. Das ist ein Autoinjektor mit dem Medikament Epinephrin (Adrenalin), welcher auch von Laien verabreicht werden kann und sofort die Atemwege erweitert. Die Wirkung ist jedoch nur vorübergehend und bei einer Anaphylaxie sollte unbedingt zusätzlich ein Notruf abgesetzt werden.

Aspiration und Bolusgeschehen

Jeder hat bestimmt schon einmal davon gehört, dass sich jemand „verschluckt“ hat. Medizinisch fand eine Aspiration (Einatmung) statt. Die extremste Form davon ist ein sogenanntes Bolusgeschehen, welcher ebenfalls zu den respiratorischen Kindernotfällen gehört. Ein Fremdkörper (Bolus) liegt in den oberen Atemwegen, Luftröhre, Bronchien und verschließt diese ganz oder teilweise. Das passiert am häufigsten fahrlässig beim Essen, zum Beispiel durch schlechtes Kauen, motorische Unruhe und Herumlaufen oder für Kleinkinder ungeeignete Nahrung wie z. B. Nüsse, Pistazien, Weintrauben oder Cherrytomaten.

Während die meisten Fremdkörper durch Husten oder bei Babys auch durch gleichzeitiges Erbrechen wieder herausgebracht werden können, führt eine echte Aspiration innerhalb kürzester Zeit zur Bewusstlosigkeit. Die Erste Hilfe ist das Lösen des Bolus durch kräftige Schläge zwischen die Schulterblätter. Babys und Kleinkinder legt man dafür in den Fliegergriff oder bäuchlings über den eigenen Oberschenkel. Nach Möglichkeit liegt der Kopf tiefer als der Rumpf. Hat sich nach 5 Schlägen nichts gelöst, wendet man bei Erwachsenen und großen Kindern den Heimlich-Griff an. Auch bei Babys und Kleinkindern erfolgt eine bis zu fünfmalige Kompression des Oberbauch-Brustkorb-Bereiches.

Ist bei einem bewusstlosen Kind nach 5 Schlägen und 5 Kompressionen kein Husten oder Erbrechen des Fremdkörpers ausgelöst, wird sofort mit der Reanimation begonnen bis der Notarzt eintrifft. Bei Kindern startet die Reanimation bei Bewusstlosigkeit wegen des Sauerstoffmangels mit 5 Beatmungen, um den fehlenden Sauerstoff im Körper zu ersetzen. Dabei kann es auch passieren, dass der Fremdkörper in die Lunge gedrückt wird und somit die Atmung wieder einsetzen kann und das Kind außer Lebensgefahr ist. Die Entfernung des Bolus erfolgt im Anschluss im Krankenhaus. Eine Vorstellung im Krankenhaus sollte auch immer nach einem Heimlich-Griff oder einer Oberbauch-Kompression erfolgen, um eine Verletzung der inneren Organe auszuschließen.

Ertrinken und Rauchgasinhalation

Atemwegsunfälle bei Kindern sind, neben dem Bolusgeschehen, auch das Ertrinken oder das Einatmen von Rauchgas. Auch hier starten Reanimationen mit 5 Beatmungen und im Anschluss einer Herzdruckmassage und Beatmung im Rhythmus von 15 zu 2. Es wird vom Rettungsdienst Sauerstoff gegeben und das Kind wird zur Vorstellung beim Arzt und gegebenenfalls zur intensivmedizinischen Überwachung ins Krankenhaus transportiert.

Die wichtigste Maßnahme: Erste Hilfe bei respiratorischen Kindernotfällen

Die wichtigsten Personen bei respiratorischen Kindernotfällen sind die Ersthelfenden Vorort. Bewahren Sie Ruhe, wählen Sie den Notruf und halten Sie sich zur Unterstützung des Rettungsdienstes bereit. Bei Atemnot sollte Aufregung in jedem Fall vermieden werden. Eine Notfall-Inhalation funktioniert auf dem Schoß der Bezugsperson immer besser als allein auf der Trage im Rettungswagen.

Das DRK und viele andere Anbieter bieten Kurse für die Erste Hilfe am Kind an.

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