Strukturierte Patientenübergabe nach dem ISOBAR-Schema im Sanitätsdienst

Zum gestrigen Dienstabend stand das Thema „Patientenübergabe“ auf dem Plan.
Leider kommen solche beiläufigen Themen neben den bekannten Erkrankungsbildern und Verletzungsmustern oft zu kurz und werden in den Fallbeispielen auch nur am Rande behandelt.
Daher hatten wir uns vorgenommen, diesen Ablauf nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch zu üben.

Wo erfolgen im Sanitätsdienst Patientenübergaben?

Patientenübergabe: Dienstabend für eine sichere und adäquate Übergabe

Die Übergabe von Patienten erfolgt immer an verschiedenen Schnittstellen im Katastrophenschutz, Sanitäts- oder Rettungsdienst. Meist ist es der Ein- oder Ausgang zu einer Patientenablage, einer Behandlungsstelle, zwischen zwei Teams oder letztendlich in der Klinik.
Im Verlauf der Patientenversorgung kann der Patient schon mal bis zu fünf solcher Stellen durchlaufen, wobei an allen Stationen keine wichtigen Informationen verloren gehen dürfen.

Übungsszenario in unserer Fahrzeughalle

Nach der theoretischen Einführung in das Thema durften die Einsatzkräfte eine Versorgungsstation in unserer Halle mit dem Material und den Geräten des Gerätewagen-Sanität (GW-San) aufbauen.
Meist bauen wir dafür eines unserer pneumatischen Rettungszelte auf, doch dies war gestern nicht das Thema. Allein die Patientenübernahme, Umlagerung und anschließende Versorgung auf einen der Lagerungsböcke stand im Vordergrund.

Dieser Ablauf durfte in einem ersten Versuch ohne Vorgaben ausprobiert werden.
Anschließend wurde von allen Teilnehmenden das Feedback gesammelt, um zu besprechen, was gut und was weniger gut funktioniert hat.

"ISOBAR" als Standard-Schema

Das ISOBAR-Schema im Sanitätsdienst

Einsatzkräfte im Sanitäts- und Rettungsdienst arbeiten heute sehr gerne mit Schemata und Merkhilfen.
Daher stellte sich die Frage, ob es neben SAMPLERS, cABCDE und WOLKE auch ein Schema für die Patientenübergabe gibt.

Dies gibt es, bekannt als ISOBAR-Schema, empfohlen von der WHO (World Health Organisation) und DGAI (Deutsche Gesellschaft für Anästhesie und Intensivmedizin). Es vereinfacht und strukturiert die Patientenübergabe so, dass möglichst keine wichtigen Informationen verloren gehen.
Die Gefahr des Informationsverlustes ist bei jeder Patientenübergabe sehr groß und ein entscheidender Faktor für die Patientensicherheit!

Wusstest Du, dass ca. 50 % der Patientenübergaben aktuell im klinischen Alltag gestört werden?

Der Ablauf des ISOBAR-Schemas im Detail

I – Identifikation

  • Vorstellung Rettungsdienstteam
  • Vorstellung Aufnahmeteam / Abgabeteam
  • Vorstellung Patient

S – Situation

  • Notfallereignis
  • Hauptdiagnose (cABCDE)
  • Patientenzustand: stabil / instabil
  • durchgeführte Maßnahmen

O – Observation

  • Vitalparameter (cABCDE)
  • Ggf. FAST Schema
  • Transportverlauf
  • Komplikationen
Übergabe von Patienten nach klinischen Standards - ISOBAR-Schema

B – Background

  • Nebendiagnosen (SAMPLERS)
  • Infektionsstatus
  • Pflegestatus
  • Angehörige (Name, Telefon, Erreichbarkeit)
  • Patientenverfügung

A – Aufgaben

  • Weiteres Vorgehen
  • Absprachen
  • Risiken

R – Rückfragen

  • Rückfragen beantworten
  • Verständigungsprobleme klären

Wie funktioniert nun eine fehlerfreie Patientenübergabe?

Damit alle wichtigen Informationen erwähnt und verstanden werden, gibt es mittlerweile eindeutige Verhaltensregeln für Patientenübergaben.
So besagt die oberste Regel z. B., dass Gespräche, Maßnahmen am Patienten oder an Geräten, Umlagerung, etc. während der Übergabe zu unterlassen sind.
Dafür spricht immer die Teamleitung und alle anderen übrigen Teammitglieder hören der Übergabe zu, damit jeder die notwendigen Informationen erhält.

Nach Möglichkeit sollte man sich daher als Teamleitung auf die Übergabe vorbereiten und als übernehmendes Team auf die Übergabe vorbereitet sein.

Dies konnten unsere Teams anhand verschiedener Beispiele üben.
Dafür wurde unser Patientendummy mit unterschiedlichen Tragen durch das Transportteam zur Versorgungsstation gebracht und dem Versorgungsteam übergeben.

mit Fallbeispielen trainieren

Gute Kommunikation ist unerlässlich

Alle haben dabei festgestellt, dass es sehr wichtig ist, klar zu kommunizieren.
Sagt die Teamleitung auch das, was er/sie meint? Sind alle anderen aufmerksam?
Wurden die richtigen Ansprechpersonen gewählt?

Solche Fragen stellen mögliche Problemfelder in der Kommunikation dar und können durch Störfaktoren wie z. B. komplexe Hierarchien, Angst etwas Falsches zu sagen, Lärm, Zeitdruck, Ablenkung, sprachliche Barrieren u.v.m. behindert werden.

Nach der Übergabe erfolgten die Umlagerung und eine simulierte Patientenversorgung

Um unser Übungsszenario etwas abzurunden und nicht zu theoretisch zu arbeiten, übten wir bei der Gelegenheit noch mal das Umlagern unseres Dummys mit der anschließenden Versorgung.

Die Umlagerung erfolgt in der Regel immer durch beide Teams nach der Übergabe. Dafür wird der Patient entsprechend der Situation vorbereitet und möglichst schonend umgelagert.
Die Person am Kopfende gibt dabei das Kommando an alle anderen Teammitglieder, die bei der Umlagerung immer einen Blick auf den Patienten sowie Schläuche, Gurte oder auch Kabel haben müssen.
Das Ziel ist es, für den Patienten möglichst kritische, körperliche Belastungen und Schmerzen zu vermeiden.

Gibt es noch andere Schemata?

Ja, es gibt auch noch andere Schemata, wie z. B. das (AT)MIST-Schema, welches jedoch mehr bei Traumapatienten in Krankenhäusern angewandt wird.

Welches Schema man für seine Patientenübergabe wählt, sollte sich an den persönlichen Erfahrungen und regionalen Gegebenheiten orientieren.

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